Mittwochswein: Jean-Fritz Sauvignon vom Weingut Jülg
Ein deutsch-französischer Sauvignon Blanc mit Goldkante
Manchmal braucht der ganz normale Mittwoch ein bisschen mehr. Kein großes Theater, kein großes Spektakel – nur ein Glas, das dem Abend eine andere Färbung gibt. Der Jean-Fritz Sauvignon Blanc Fumé von Jülg aus Schweigen-Rechtenbach ist genau so ein Tropfen. Preislich liegt er um die 14 Euro, also etwas über dem klassischen Mittwochswein, aber manchmal gibt es eben auch den Mittwoch mit Goldkante.
Frau Knauber gehört zu jener Hälfte der Menschheit, die Sauvignon Blanc nicht so besonders schätzt. „Komisch im Duft, zu grün, zu sauer“ – das ist oft ihr Urteil. Bei diesem hier hat sie aber genickt, ein freundliches Geräusch gemacht, das Glas noch einmal an die Nase gehalten und gesagt: „Der geht.“ Und mich nachschenken lassen. Mehr Wertschätzung wird Sauvignon von Frau Knauber nicht bekommen.
Schon im Duft zeigt er diese saftige, salzige Grapefruit, die so klar und frisch daherkommt, im Geschmack dazu schwarze Johannisbeere, etwas Stachelbeere und eine Spur grüner Apfel. Am Gaumen folgt dann die saftige Mineralität, die den Wein trägt und ihm Spannung gibt, ohne dass er sich anstrengt. Ein Tropfen, der die Sorte mit Eleganz interpretiert – frisch, präzise und mit genug Substanz, dass man gerne noch ein Glas nimmt.
Der Name Jean-Fritz erklärt sich übrigens aus der besonderen Lage des Weinguts. Jülg sitzt direkt an der deutsch-französischen Grenze in der Südpfalz, und die Reben stammen zur Hälfte aus Deutschland und zur Hälfte aus Frankreich. Der Name steht für genau dieses Grenzgängertum: halb deutsch, halb französisch, wie das Weingut selbst. Daraus entsteht ein Wein, der das Beste aus beiden Welten vereint. Hier die bodenständige Saftigkeit der Pfalz, dort das französische Raffinement.
Falstaff hat dem Tropfen 92+ Punkte gegeben – eine Bewertung, die bei dem Preis noch mal unterstreicht, was hier im Glas ist.
Ein Gedanke bleibt außerdem hängen: In diesem Jahr hat das Weingut Jülg seine Ernte durch einen Hagelschlag kurz vor der Lese binnen fünf Minuten praktisch verloren. Was die Familie in Schweigen-Rechtenbach und auf der französischen Seite da gerade durchmacht, verdient Respekt. Wer diesen Wein öffnet, unterstützt damit auch ein bisschen Menschen, die trotz allem weiter machen.
Ein Sauvignon Blanc, der selbst Skeptiker überzeugt und der zeigt, dass es sich lohnt, auch an einem ganz normalen Mittwoch mal etwas Besonderes ins Glas zu lassen. Santé!